Wort 01/02/2005
Barocke Besinnlichkeit mit Bach-Musik
(ge) – „Musik kann Brücken bauen“, sagte Tom Osborne, Präsident des „Ensemble vocal du Luxembourg“ (EVL), zum Abschluss des Konzertes vergangenen Freitag in der Pfarrkirche von Bourglinster. Er bezog sich dabei auf die internationale Besetzung des Ensembles, das in der Musik eine gemeinsame Sprache gefunden hat. Das EVL hat sich aber auch rein musikalisch als hervorragender Brückenbauer erwiesen. Keine kleinen Stege hat das Ensemble angelegt mit seinen Darbietungen, sondern mächtige Brücken mit einer einmaligen Architektur. Das prächtige Grundmaterial lieferten Mitglieder der Familie Bach, allen voran Johann Sebastian Bach, zudem Johann Ludwig Bach und Johann Christoph Bach. Als Baumeister und Gastdirigent fungierte Gaby Baltes, der mit seinen rund 30 Sängern Klangkultur vom Feinsten bot. Aus den kompliziertesten Fugen webte er mit höchster Präzision ein feines Geflecht, rein und klar in seiner Struktur. Vor allem beeindruckte während des gesamten Konzertes die Authentizität, die Wahrhaftigkeit des Dargebotenen. Die Mitglieder des EVL sangen nicht bloß einen Text, sie hatten ihn vollständig verinnerlicht und in einer bewundernswerten Symbiose mit der Musik zusammengeführt. Wenn es hieß „Das ist meine Freude“ (J. L. Bach) oder „Jesu, meine Freude“ (J. S. Bach), dann spürte man die Freude, die Zuversicht. Derart hielten die Sänger und ihr Dirigent, akkurat und diskret vom „Concert lorrain“ begleitet, die Spannung und die Intensität ihrer Sangeskunst stets aufrecht und luden die zahlreichen Zuhörer zu zwei Stunden gemeinsamer Besinnlichkeit ein. Das Konzert, organisiert von den „Amis de l’orgue Bourglinster-Imbringen“, bildete den Auftakt einer kleinen Tournee des EVL, die unter dem Motto steht „Sur la route des orgues du Grand-Duché“. Auf vier Etappen (Bourglinster, Zolver, Vianden und Michaelskirche) ist jeweils ein Organist Gast des Ensembles. In Bourglinster saß Maurice Clement an der Westenfelder-Orgel. Seine virtuosen Fertigkeiten sowie sein großartiges musikalisches Gestaltungsvermögen standen den Darbietungen des EVL in nichts nach und trugen zum besinnlichen Hörgenuss bei. Zu Recht wurden sämtliche Ausführenden mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Präsident Tom Osborne gab zum Abschluss bekannt, dass das Ensemble die ehemalige Kulturministerin und jetzige Abgeordnete im Europaparlament Erna Hennicot-Schoepges in Anerkennung ihrer Verdienste und Bemühungen um das „Ensemble vocal du Luxembourg“ seit dessen Gründung im Jahre 1991, zu seiner Ehrenpräsidentin ernannt habe.