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Wort     02/04/2009

„Ensemble vocal du Luxembourg“ und „Concert Lorrain“

„Quid sunt plagae istae?“

Anspruchsvolles Buxtehude-Programm in Petingen

VON ANDRÉ LINK

 

 

"Ensemble vocal du Luxembourg"  und "Concert Lorrain"

Nicht die Geringsten hatte die Pfarrei Petingen eingeladen, um die Feiern zu ihrem zweihundertjährigen Bestehen musikalisch zu untermalen. Im besinnlichen Geist der Fastenzeit hatten das „Ensemble vocal du Luxembourg“ und das „Concert Lorrain“ ein hoch anspruchsvolles Buxtehude-Programm zusammengestellt, dessen Ausführung – wie von beiden Ensembles nicht anders zu erwarten – von exemplarischer Qualität war.

Die Kantate „Fürwahr, er trug unsere Krankheit“ (eine der wenigen, deren vollständige Partitur erhalten ist) konnte man als weihevolle, ruhig dahinfließende Einleitung zum eigentlichen Höhepunkt sehen. Ohne Hast, aber mit kraftvollen Pulsschlägen wogte das Streicherbild des lothringischen Instrumentalensembles durch den Kirchenraum : Die erstaunlich sicheren Violinisten Stephan Schardt und Jorlen Vega waren von zwei nicht weniger engagierten Gambisten sekundiert (Sergio Alvares und Myriam Rignol), dazu kam das Continuo der rigurose Maßstäbe erwartenden - und setzenden - tiefen Streicher (Stephan Schultz, Cello, und Christian Bamber, Kontrabass). Zum Generalbass gesellte sich die unverbrüchlich warme und konsequente Sonorität der Positiv-Organistin Anne-Catherine Bucher, die ja die eigentliche Gründerin dieser weit über die Grenzen Lothringens hinaus strahlenden Musikformation ist.

Unprätentiöses Auftreten ist eins der Merkmale des „Ensemble vocal du Luxembourg“. Solisten holt man sich aus den eigenen Reihen, und wenn hier einer weniger überzeugte als die anderen, so war es eher die Ausnahme. In ein- bis dreistimmigen Einsätzen waren ergreifende Sopran-, Altus- und Basseinlagen zu hören. Der Passionszyklus „Membra Jesu nostri“ von Dietrich Buxtehude ist ja ein ebenso ungewöhnliches wie überwältigendes Werk: Mit schmerzlicher, aber auch dramatischer Inbrunst beschreibt es die Leiden und Erniedrigungen, denen der Leib Christi ausgesetzt war. Nach einer instrumentalen Einleitung wird ein Bibelzitat vorgestellt, über das im Lauf einer rhythmisch-motivisch sehr bewegten Entwicklung meditiert wird. Dieses Bibelzitat kann von inniger Zartheit sein wie in „Ad ubera portamini“ (Ad genua), es kann von den Sopranen bis zu den Grenzen der Dissonanz geführt werden wie in „Quid sunt plagae istae in medio manuum tuarum?“ (Ad manus), manchmal, so in „Surge, amica mea“ (Ad latus) ist der Duktus auch von solch ariosem Schmelz verbrämt, dass die Zuhörer sich zu unvorhergesehenem, aber berechtigtem Zwischenapplaus hinreißen ließen.

Ein Dirigent als Glücksfall

Dass Thomas Hofereiter, der angehende Leiter des Trierer Spee-Chors, die Geschicke der Konzertmatinee in seine Hände nahm, sollte sich als Glücksfall erweisen. Hier wurde in die Detailarbeit eine Sorgfalt gelegt, die beide Ensembles zu Höchstleistungen anspornte. Atemberaubend wurde der Klang aufgefächert, modelliert, zu dramatischen Steigerungen getrieben und dann wieder zu beglückenden Ruhepunkten geführt. Pausen, Schwellungen, Silbenbetonungen, überraschende Einsätze der Zweitstimmen und abrupte Fortissimo-Ausbrüche waren Teil eines dramaturgischen Konzepts, das seine Wirkung nicht verfehlte. Überwältigend war es etwa wie, inmitten hochbrandender und wieder abschwellender Tonfluten, einzelne Textstellen wie das immer wieder vorkommende „Salve“ in strahlendes Licht getaucht wurden.

Nachdem anhaltender Beifall seine außergewöhnliche Leistung honoriert hatte, bot das „Ensemble vocal“ eine Zugabe, die zum krönenden Abschluss dieses Passionskonzertes werden sollte: A Cappella interpretierte es das komplexe und polyphonisch dichte „Crucifixus“ von Antonio Caldara und zeigte erneut, dass es in der Lage ist, mit überzeugendem Erfolg die Hürden anspruchsvollsten Chorgesangs zu nehmen.